Corona und Arbeitsschutz: In 8 Schritten zu einem sicheren Arbeitsumfeld für MitarbeiterInnen und zur Sicherstellung des laufenden Betriebs nach den neuesten Verordnungen.

geschrieben am 15.03.2021

Industriearbeiter mit Gesichtsmasken zum Schutz vor dem Coronavirus bei der Diskussion über die Produktion in einer Fabrik.

In Zeiten von Corona, sind Unternehmen mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Dabei ist oft von Hygienekonzepten, Pandemieplänen und Arbeitsschutzmaßnahmen die Rede. Für viele Betriebe ist es schwierig den Überblick zu behalten.

Nachfolgende Übersicht soll Anregungen für Sie bieten, welche Schritte Sie setzen können, um den Arbeitsschutz und Betriebsablauf in Zeiten einer Pandemie sicherzustellen.
Diese Schritte konzentrieren sich sowohl darauf wie Organisatorisches in die Wege geleitet werden kann, als auch auf konkrete Beispiele für Handlungen und Hygienemaßnahmen, die Sie im Betrieb umsetzen können.

In Österreich gilt mit dem 15.03.2021 die neue Novelle der COVID-19-Schutzmaßnahmen-Verordnung. Diese beinhaltet verpflichtende wöchentliche Testungen für weitere Berufsgruppen wie z.B. ArbeitnehmerInnen mit Kontakt zu KundInnen, sowie MitarbeiterInnen in der Lagerlogistik, wenn der Mindestabstand regelmäßig unterschritten wird. Genaueres zu den aktuellen Maßnahmen und Regelungen in Österreich finden Sie auf der Webseite des österreichischen Bundesministeriums unter: Aktuelle Maßnahmen Coronavirus - Sozialministerium

In Deutschland wird die aktuell geltende Corona-Arbeitsschutzverordnung („SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“) bis 30. April 2021 verlängert. Mehr dazu kann auf der Webseite des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefunden werden: Verlängerung der Arbeitsschutzverordnung

Organisation

Um den Betriebsablauf in Zeiten von Corona aufrecht zu erhalten und gleichzeitig Schutz für die Angestellten im Betrieb sicherzustellen, wird ein optimales Krisenmanagement benötigt. Dafür sollte ein Krisenstab gebildet werden, der die wichtigsten Prozesse definiert, Alternativen im Falle eines Personalausfalls festlegt und für eine ausreichende und gute Kommunikation im Betrieb sorgt. 

1. Bilden Sie einen Krisenstab bzw. ein Krisenteam.

Gründen Sie ein Team, welches relevante Informationen sammelt und die genauen Maßnahmen und Regelungen für Ihren Betrieb festlegt.

Wählen Sie die Krisenteam-Mitglieder so aus, dass möglichst unterschiedliche Abteilungen abgedeckt sind. So wird sichergestellt, dass Fachwissen und Kompetenzen aus unterschiedlichen Abteilungen in die Planung hineinfließen. Die Mitglieder können beispielsweise aus den folgenden Bereichen sein: Geschäftsführung, Personalabteilung, Qualitätsmanagement, Facility Management, IT, Betriebsarzt, PR oder KollegInnen aus der internen Kommunikation.

Sobald das Team bestimmt wurde, sollte ein konkreter Ort zum Austausch (z.B.: MS Teams) festgelegt und regelmäßige (virtuelle) Treffen organisiert werden. Diese können dann beispielsweise zwei Mal wöchentlich stattfinden. Ziel dieser Meetings/Treffen ist es, neue Informationen von Behörden zu diskutieren, Handlungen für das Unternehmen abzuleiten und diese entsprechend zu dokumentieren.

2. Definieren Sie welche Prozesse am wichtigsten sind und legen Sie Vertretungsregelungen fest.

Im nächsten Schritt ist es wichtig zu definieren, welche Prozesse die höchste Priorität haben. Dabei können folgende Fragen helfen:

Welche Geschäftsprozesse sind am relevantesten für das Kerngeschäft?

Welche Geschäftsprozesse müssen bzw. sollten aufgrund von gesetzlichen oder vertraglichen Verpflichtungen funktionsfähig bleiben?

Darüber hinaus muss festgelegt werden, was im Falle eines höheren Personalausfalls passiert und wie ein entsprechender Personalersatzplan aussehen könnte. Hier gilt es abzuklären, wer welche Aufgaben übernehmen könnte. Basierend darauf können Vertretungen geregelt werden. So ist auch bei Ausfall von Personal klar, wer die zentralen Aufgaben und Prozesse ausführt. Und es ist sichergestellt, dass der Betrieb trotzdem am Laufen gehalten wird.

3. Stellen Sie gute Kommunikation im Betrieb sicher und legen Sie einheitliche Informationswege fest.

In diesem Schritt geht es darum sicherzustellen, dass neue Pläne und Regelungen betriebsintern an alle klar kommuniziert werden. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollten Informationen zur aktuellen Lage erhalten. Dabei ist es am besten, wenn Sie einen zentralen Kommunikationskanal bestimmen.

Legen Sie auch fest, wer die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Betrieb sind. Jedem Mitarbeiter soll klar sein, an wen man sich bei Fragen oder Unklarheiten wenden kann bzw. wer kontaktiert werden muss, wenn eine Erkrankung oder ein Verdachtsfall vorliegt.


Hygiene- und Schutzmaßnahmen

Im Allgemeinen lautet die Devise: Überall wo es möglich ist, sollen Präsenzkontakte durch digitale Kontaktalternativen ersetzt werden. In den Bereichen, wo dies nicht möglich ist – wie beispielsweise in der Fertigung von Industriebetrieben – müssen und sollen gewisse Regelungen und Maßnahmen umgesetzt werden.

4. Hygienemaßnahmen in allgemeinen Räumlichkeiten und am Arbeitsplatz.

Die Arbeitsumgebung sollte so gestaltet werden, dass für die Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesorgt ist. Dies kann durch folgende Maßnahmen erfolgen:

  • Bei der Anordnung der Arbeitsplätze auf ausreichend Abstand achten.
    Ist dies nicht möglich müssen andere Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Zum Beispiel die Anbringung von Plexiglasscheiben.
  • Regelmäßiges Lüften der Räumlichkeiten. 
  • Anbringen von Postern mit Informationen zu den Verhaltensregeln und den einzuhaltenden Hygienemaßnahmen.
  • Bereitstellung von Desinfektionsspendern o.ä. 
  • An Kontaktpunkten, die von mehreren Menschen berührt werden (z.B. Bedientastaturen) Einweghandschuhe bereitstellen.

5. Regelungen zum Kontakt zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Generell sollte der körperliche Kontakt zwischen Personen vermieden bzw. reduziert werden. Überall wo weiterhin Kontakt zwischen Personen erforderlich oder unvermeidbar ist, müssen Hygiene- und Verhaltensregeln (Wahren eines Sicherheitsabstandes im Ausmaß von mindestens 1,5 Metern laut deutschen Regelungen bzw. 2 Metern nach österreichischen Regelungen, regelmäßiges Händewaschen, Benutzung von Handdesinfektionsmitteln) eingehalten werden.

6. Besondere Maßnahmen in Produktions- und Industriebetrieben.

Neben den allgemeinen Hygienemaßnahmen und Hygiene- und Verhaltensregeln gibt es noch weitere Maßnahmen, um die Arbeitssicherheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sicherzustellen. Im Folgenden werden Maßnahmen vorgestellt, welche im Besonderen für die Fertigung und Produktion in Industriebetrieben gelten:

  • Bildung von Arbeitsgruppen: In Betrieben mit mehr als 10 Beschäftigten müssen möglichst kleine Arbeitsgruppen gebildet werden. Dabei ist eine zeitliche oder räumliche Trennung der unterschiedlichen Arbeitsgruppen wichtig.
  • Arbeitszeitgestaltung: Kontakte können reduziert werden, indem die Schichtzeiten ohne Überschneidungen ablaufen.
  • Räumlich festgelegte Personenobergrenzen: Nutzen mehrere Personen gleichzeitig dieselben Räumlichkeiten, so ist zu beachten, dass pro Person 10 m² zur Verfügung stehen.
  • Schutzmaßnahmen in der Zusammenarbeit: Auch in Produktionsstätten sollte ein Mindestabstand zwischen Beschäftigten von mindestens 1,5 m (in DE) bzw. 2 m (in Ö) eingehalten werden. Sollte das jedoch nicht möglich sein, muss es andere Schutzmaßnahmen (wie z.B. FFP2-Masken) geben.
  • Regelungen für Werkzeuge und Arbeitsmittel: Werkzeuge und andere Arbeitsmittel sollten wenn möglich personenbezogen verwendet werden. Ist dies nicht möglich, dann ist eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion sicherzustellen. Darüber hinaus sind Schutzhandschuhe empfehlenswert (sofern dadurch keine zusätzliche Gefahrenquelle entsteht).
  • Regelungen für Arbeitsbekleidung und persönlicher Schutzausrüstung (PSA): Diese dürfen nur personenbezogen benutzt werden. Des Weiteren muss die Arbeitsbekleidung regelmäßig gereinigt werden.

7. Weitere Schutzmaßnahmen planen und umsetzen.

Neben den bisher genannten Maßnahmen gibt es noch weitere Schutzmaßnahmen, die ein Unternehmen beachten sollte. Auf drei Bereiche, wird hier noch kurz eingegangen:

Pausengestaltung und Kantine

Bei fixen Pausen, ist zu beachten, dass für die Pausen der unterschiedlichen Arbeitsgruppen verschiedene Zeiten angesetzt werden. Auch der Sicherheitsabstand in den Pausenräumlichkeiten sollte gewährleistet sein.

Auch für Betriebskantinen sind klare Regelungen erforderlich. Durch Zeitpläne und/oder durch Reduzierung der Plätze kann sichergestellt werden, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig vor Ort sind. Alternativ kann auch auf Lunchpakete und Essen ‚to-go‘ umgestellt werden.

Reinigungsplan

Zusätzlich zum normalen Reinigungsplan, sollten zusätzliche Reinigungen eingeführt werden. Zur Vermeidung von Infektionen müssen vor allem häufig berührte Flächen wie Touchscreens, Tastaturen, Toiletten und Griffe regelmäßig desinfiziert werden.

Vor allem beim Schichtwechsel ist eine zusätzliche Reinigung sinnvoll.

Zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen und Reinigungspläne müssen im Vorhinein genügend Hygieneartikel beschafft werden. Es sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob noch ein Vorrat an Flüssigseife, Desinfektionsmittel, Papierhandtücher etc. vorhanden ist.

Betriebliche Testungen

Die Bereitstellung von Corona-Test-Kits bzw. das Einrichten einer Teststraße ist eine sinnvolle Maßnahme zur Prävention von Ansteckungen im Betrieb. Vor allem da laut der neuesten Schutzmaßnahmenverordnung, wöchentliche Testungen für viele Berufsgruppen vorgeschrieben sind.

Auch eine kontaktlose Fiebermessung als präventive Maßnahme im Betrieb ist eine Option.

Für Unternehmen in Österreich gibt es die Möglichkeit Kostenzuschüsse für die Tests vom Bund zu bekommen. Genaue Informationen zum Kostenbeitrag des Bundes bei betrieblichen Tests finden Sie auf der Webseite der WKO: Betriebliche Testungen: Teststraßen, Testkits, Kostenbeitrag – WKO.at

Darüber hinaus könnte bereits eingeplant werden eine Schutzimpfung zu organisieren, sobald diese verfügbar ist.

Alternative Text

In 8 Schritten zu einem sicheren Arbeitsplatz ohne Covid.

Jetzt kostenlose Infografik downloaden.

Zum Download

Digitalisierung

Besonders jetzt in der Pandemie sind papierlose Prozesse und die kontaktlose Verteilung von Dokumenten besonders hilfreich. Daher ist aktuell der perfekte Zeitpunkt, um Prozesse und Arbeitsabläufe zu digitalisieren und in die nötige Infrastruktur zu investieren.

8. Die Digitalisierung von Abläufen umsetzen.

Mit digitalen Checklisten und Abläufen können Unternehmen schnell und flexibel auf neue Anpassungen reagieren.

Beispielsweise könnten Reinigungspläne unkompliziert verändert und adaptiert werden. Genauso können auch andere Arbeitsprozesse einfacher auf die neuen Situationen angepasst werden. Und die Umsetzung der Sicherheitsmaßnahmen kann sichergestellt werden.

Mit digitalen Checklisten und Arbeitsabläufen kann der Hygienestatus im Betrieb laufend überprüft werden. Es kann intern überprüft werden ob die Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Und eine Dokumentation von Hygienemängeln erstellt werden.

Im Falle eines externes Hygiene Audits, kann dank digitaler Dokumentation die Einhaltung von Hygiene- und Schutzmaßnahmen leicht nachgewiesen werden.

Darüber hinaus helfen auf Datenanalysen basierende digitale Prozesse bei der Identifikation von Fehlerquellen. Aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen können Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet und Prozesse weiterentwickelt werden.

Alle Neuigkeiten zu Digitalisierungsthemen
direkt ins Postfach.

Newsletter Anmeldung

In 3 einfachen Schritten zur
kostenlosen Teststellung.